Dr. Leuchter
Eine aufklärende und bewegende Geschichte über den wohl besten Detektiv im Lande Goten.
Von Lukas Schack und zahlreichen Bloglesern.
(Teil 1)
Früh am Morgen klingelte das alte Analogtelefon: „Morgen Dr. Leuchter, wir brauchen sie hier!“. Er wurde aus seinem wunderbaren Traum gerissen: Er und Arne, sein dreijähriger Mischlingsrüde und treuster Freund, liefen gerade noch über eine bunte Blumenwiese und genossen die Sonnenstrahlen, die durch rosfarbene wattebüschelähnliche Wolken strahlten. „Hrmmpf. Wie spät ist es?“. „Zehnuhrfünfundvierzig. Sie haben seit einer viertel Stunde Dienst, Herr Doktor.“. „Ja, doch. Ist ja gut. Mein Gott. Ihren Urlaub können sie vergessen. So!“. Dr. Frank Leuchter, leitender Detektivoffizier im südgotischen Polizeihauptkommisariat drehte sich zu seiner Frau um: „Uschi, mach Essen. Schnell, ich muss zur Arbeit.“. Doch die Frau war nicht da. Verrückte Gedanken gingen dem Doktor durch den Kopf. War sie etwa schon los, die Kinder zur Uni bringen? Oder hatte sie gar ein Verhältnis mit dem Nachbarn? Mit seiner langjährigen Arbeit im Kommissariat entwickelte er auch eine gewisse dektetivische Intuition, die ihm jetzt sagte: „Achtung mit der Frau!“. Vielleicht ließ sie es sich auch einfach nicht mehr gefallen, wie Frank mit ihr umging. Immer dieser unterschwellig abwertende Ton… Doch nun hatte er keine Zeit für solche Gedanken. Schnell schlüpfte er in seine maßgeschneiderte Uniform. Schick und auch ein wenig musuklös sah er dadrin ja schon aus, das musste er zugeben. Aber grundsätzlich fand er Uniformen albern. Ein einfacher Toast mit selbstgemachter Erdbeermarmelade und mittelaltem Gouda klemmte er sich zwischen die Zähne und stieg noch kauend in seinen Ford Escort. Die gotische Polizei hatte einen Rahmenvertrag mit Ford geschlossen und außer Rahmen lieferten sie auch die Dienstwagen. Leuchter empfand, dass es schneller gehen musste und drückte auf den großen Knopf mit der Aufschrift „Blaulicht“. Die stockdunkle Straße erleuchtete blau. Stockdunkle Straße? Es war doch schon fast Mittag. „Was ist denn hier los?“ fragte sich der Doktor. Wie Schuppen fiel es ihm von den Augen. Natürlich – es war mal wieder Sonnenfinsternis. Schon seine dritte dieses Jahr. Goten liegt an einem äußerst günstigen Ort für Sonnenfinsternissen. Die Erdrotation, die in Goten besonders bedeutend war, zog den Mond gradezu an, sodass er vormittags genau vor der Sonne gehalten wurde. Dreißig bis vierzig Sonnenfinsternisse pro Jahr waren daher keine Seltenheit. Während der restlichen Fahrt dachte Leuchter über den Plural des Wortes „Finsternis“ nach, aber er konnte sich nicht so recht an dieses erinnern. Vielleicht Finsternisse? Finsternii? Finsterna? „Hm, egal. Ah, da ist es ja schon“, sagte er leise, aber noch gut hörbar zu sich selbst.
Kaum jemand war im Kommissariat. Schließlich stand in der Zeitung: Sonntag, der 14. September. Da wird auch in Goten nur selten Dienst geschoben. Aufgrund der Finsternis konnte man im Flur gehend gut sehen, wo gearbeitet wurde und wo nicht. Aus dem großen Besprechungsraum drang das aufgeregte Geplapper eines Briefings vor einem der großen Einsätze. Leuchter betrat den Raum. Plötzliche Totenstille. „Da, der Doktor Leuchter, pssst!“ hörte man hier und dort. Frank hasste dieses Getue. Er war zwar Detektivoffizier, aber doch auch nur ein Mensch. Leutnant Reiter durchbrach die durch die autoritäre Aura erzeugte Stille: „Ah, Herr Doktor. Schön, dass sie da sind. Wenn sie nichts dagegen haben, führe ich das Briefing eben zuende. Ich machs kurz: Der Schlauchmörder hat wieder zugeschlagen. Im Westen der Stadt. Hier bitte!“. Reiter gab dem Detektiv eine Akte mit Bildern und Schriftstücken zu vorherigen Morden des Schlauchmörders. „Und, haben sie ihn schon?“ fragte Frank mit einem leicht einschüchternden Ton. „Äh, nein. Wissen sie, Peters war nicht schnell genug und außerdem hat er geschossen.“ Aha, Peters also, soso… In diesem Moment dachte er wieder über die Urlaubsgenehmigungen nach und Peters kam dabei nicht gut weg. Aber das durfte der Kommissar natürlich nicht laut sagen. Das weitere Briefing verlief routinemäßig. Drei Teams wurden gebildet. Zwei Jungpolizisten, Leuchter schätzte sie jeweils auf so ungefähr 12, sollten die Nachbarschaft rund um den Tatort abklappern, ob irgendjemand irgendetwas Verdächtiges gesehen hatte. Das zweite Team sollte Speichelproben von allen männlichen Bürgern Gotens nehmen. Nur mal vorsorglich. Eine entsprechende Datenbank würde nicht schaden, hatte der gotische Präsident vor einigen Monaten beschlossen. Das Dritte Team, bestehend aus Leuchter, Lt. Reiter und dem knuffigen Polizeihund Arne gingen nochmal zum Tatort um eine Spur zu suchen. Arne war der beste Polizeihund ganz Gotens. Nicht nur Drogen, Waffen oder Falschgeld konnte er aufspüren, nein, er war auch noch gotischer Meister im Agility, einer Sportart die Hund und Frauchen Schrägstrich Herrchen fit und agil hält. Außerdem sah er mit seinen großen Knopfaugen, dem wuscheligen Fell und einem scheinbaren Lächeln so süß aus, das jeder Zeuge sofort alles ausplauderte, was die Investigatoren wissen wollten. Dr. Leuchter hatte ein wirklich gutes Verhältnis zu Arne. Obwohl der Hund offiziell im Polizeirevier zu essen und schlafen hatte, wurde er abends oftmals von Dr. Leuchter heimlich mit nach Hause genommen und kuschelte noch ein wenig mit seinem treuen Begleiter. Heimlich musste das Geschehen, da Leuchters Frau das gar nicht mochte. Sie war eifersüchtig auf den Schönling. Oftmals dachte Frank, dass es eine leichte Entscheidung werden würde, wenn er sich einmal zwischen Arne und seiner Frau entscheiden müsste…
Der Tatort war eine verlassene Gärtnerei. Durch die Blumenkrise in Goten waren vor kurzer Zeit viele Gärtnereien, Baumschulen und Innendekorateure pleite gegangen. Auch die Gärtnerei Fischer und Partner traf es. Die Zuchtblumen wucherten ungebremst in den Gewächshäusern und man sah deutlich, dass die kräftigen Pflanzen wie Girsch und der Bullenkaktus so feine Pflanzen wie Orchideen oder Zierlilien verdrängten. „Los Arne, such! Such nach Spuren!“. Arne war gut geschult, er wusste, wonach er suchen musste. Spielerisch hatte Herrchen es ihm alles beigebracht. Mit wedelndem Schwanz machte sich der Hund auf die Suche, genau wie die beiden Polizisten. Plötztlich machte es „kratschong“ und Dr. Leuchter konnte noch aus dem Augenwinkel sehen, wie Arne über einen Gartenschlauch stolperte, was mit vier Beinen gar nicht so einfach ist. Auch wenn man mit zwei Beinen stecken bleiben sollte, so hat man ja immernoch zwei, um die Balance zu halten. Doch diesmal fiel Arne auf den Rücken, schien sich aber nichts getan zu haben.“Puh, nochmal gut gegangen“, dachte Frank, doch dann sah er, wie einer der großen Bullenkakteen umkippte. Genau auf Arne. Zack mit einem dicken Stachel genau durchs Herz. Ein kurzes Jaulen konnte man noch hören, dann war Schluss. „Schade, schade.“, sagte Dr. Leuchter als er in der Blutlache versuchte, den schweren Bullenkaktus wieder aus Arne herauszuziehen. Schade, schade. „Ich halte fest: Der Schlauchmörder hat nun noch ein Opfer mehr auf dem Gewissen! Leutnant! Ich bin sehr traurig. Schade schade. Legen sie den Hund in den Kühlwagen. Ich möchte ihn dem Gericht als Beweisstück vorlegen.“
Soweit der erste Teil. Wie wird die Geschichte weitergehen? Hat Arne vielleicht doch überlebt? Werden die Polizisten vielleicht die ganze Zeit beobachtet? Ist das Pentagon involviert? Und was gibt es morgen als Tellergericht in der Kantine des Kommisariats?
Ihr habt es in der Hand!